Wie heizt Berlin im Jahr 2045? Daten als Grundlage für die Wärmewende
Wärmekataster Berlin: Eine Datenbasis für die Wärmewende der Hauptstadt
Wie wird Berlin künftig mit Wärme versorgt? Welche Rolle spielen Wärmenetze, dezentrale Lösungen und erneuerbare Energien? Und welche Potenziale bestehen in den einzelnen Gebieten der Hauptstadt? Mit dem Wärmekataster Berlin gibt es dafür eine umfassende Datenbasis.
Am 29. Juni wird die kommunale Wärmeplanung Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt – ein wichtiger Meilenstein für die Wärmewende in der Hauptstadt.
Als Arbeitskonsortium aus Scalian Germany, Reiner Lemoine Institut gGmbH, Hypertegrity AG und conenergy consult gmbh haben wir im Auftrag der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) die technische und inhaltliche Grundlage geschaffen: das Wärmekataster Berlin.
Das Ziel: vorhandene Informationen zu Gebäuden, Wärmeverbräuchen, Netzen und lokalen Potenzialen zusammenzuführen und sie in Form von Karten und Analysen für die kommunale Wärmeplanung nutzbar zu machen.
Eine gemeinsame Datenbasis für die Wärmeplanung
Eine belastbare Wärmeplanung setzt voraus, dass zunächst ein möglichst genaues Bild des Status quo entsteht. Welche Gebäude gibt es? Wie werden sie aktuell beheizt? Wie hoch sind die Wärmebedarfe? Welche Netzinfrastrukturen bestehen bereits? Und welche lokalen Potenziale können künftig für eine klimaneutrale Wärmeversorgung genutzt werden?
Das Wärmekataster führt die dafür relevanten Datenquellen in einer strukturierten Datenbasis zusammen. Informationen zu Gebäuden, Heizungen, Netzen und Potenzialen können dadurch gemeinsam betrachtet und miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Aus vielen unterschiedlichen Datenpunkten entsteht so eine Grundlage, auf der sich die Wärmeversorgung Berlins räumlich differenziert analysieren und weiterentwickeln lässt.
Von unterschiedlichen Datenquellen zu einem zentralen System
Technisch basiert das Wärmekataster auf der Urban Data Space Plattform. Über automatisierte ETL-Prozesse werden Daten aus unterschiedlichen Quellen integriert, verarbeitet und zentral gespeichert. ETL steht dabei für Extract, Transform, Load: Daten werden aus ihren jeweiligen Quellen übernommen, für die weitere Verwendung aufbereitet und anschließend in einer gemeinsamen Datenstruktur zusammengeführt.
Damit entsteht kein statisches Ergebnis, das lediglich den Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt dokumentiert. Die technische Architektur ermöglicht eine kontinuierliche Integration und Aktualisierung der Daten. Das Wärmekataster ist dadurch als fortschreibbares Instrument angelegt, das auch zukünftige Entwicklungen aufnehmen kann.
Karten und Analysen machen komplexe Daten nutzbar
Die reine Verfügbarkeit von Daten reicht für eine wirkungsvolle Wärmeplanung nicht aus. Entscheidend ist, dass aus ihnen nutzbare Informationen für konkrete Entscheidungen entstehen.
Ein zentraler Bestandteil des Wärmekatasters ist deshalb die differenzierte Kartendarstellung der Wärmeversorgung. Die räumliche Visualisierung macht Strukturen, Zusammenhänge und Potenziale sichtbar und ermöglicht es, unterschiedliche Gebiete der Stadt gezielt zu betrachten.
Ergänzt wird die Kartendarstellung durch entsprechende Datenanalysen. So können die vorhandenen Informationen nicht nur dokumentiert, sondern als fundierte Grundlage für die kommunale Wärmeplanung genutzt werden.
Von der Bestandsaufnahme bis zum Jahr 2045
Das Wärmekataster betrachtet nicht nur den heutigen Zustand der Berliner Wärmeversorgung.
Auf Basis der integrierten Daten können auch Zukunftsszenarien bis zum Jahr 2045 abgebildet werden. Dabei geht es unter anderem um die zukünftige Entwicklung von Wärmebedarfen, Wärmenetzen und erneuerbaren Potenzialen.
Damit lässt sich die zentrale Frage der kommunalen Wärmeplanung datenbasiert betrachten: Wie kann sich die Wärmeversorgung Berlins auf dem Weg zu einer klimaneutralen Zukunft entwickeln? Das Wärmekataster schafft dafür die technische und analytische Grundlage, um verschiedene Entwicklungen abzubilden und daraus Handlungsoptionen abzuleiten.
Wärmeplanung als kontinuierlicher Steuerungsprozess
Der Leistungsumfang des Wärmekatasters umfasst dabei fünf zentrale Bereiche:
- Datenintegration: Verknüpfung relevanter Datenquellen
- Datenhaltung: strukturierte Datenbasis für Gebäude, Heizungen, Netze und Potenziale
- Kartendarstellung: differenzierte Visualisierung der Wärmeversorgung
- Datenanalyse: fundierte Grundlage für kommunale Entscheidungen
- Zukunftsszenarien bis 2045: Betrachtung der Entwicklung von Bedarf, Netzen und erneuerbaren Potenzialen
Damit entwickelt sich Wärmeplanung von einem einmaligen Konzept hin zu einem kontinuierlichen Steuerungsprozess.
Eine fortschreibbare Datenbasis ermöglicht es, Veränderungen aufzunehmen, Planungen weiterzuentwickeln und neue Erkenntnisse in zukünftige Entscheidungen einfließen zu lassen.
Gemeinsam die Wärmewende in Berlin voranbringen
Mit der Vorstellung der kommunalen Wärmeplanung ist die Arbeit nicht abgeschlossen.
Im nächsten Schritt wird das Wärmekataster einem erweiterten Kreis von Fachakteuren zugänglich gemacht. Dadurch können die vorhandenen Informationen und Analysen breiter genutzt und die Umsetzung vor Ort gemeinsam weiter vorangetrieben werden.
Für Scalian Germany zeigt das Projekt zugleich, welche Bedeutung die Verbindung von Datenintegration, technologischer Infrastruktur und fachlicher Analyse für komplexe Transformationsvorhaben hat.
Denn für die Wärmewende braucht es nicht nur ambitionierte Ziele. Es braucht eine belastbare Datengrundlage, mit der sich der Weg dorthin planen, bewerten und kontinuierlich weiterentwickeln lässt.
Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten im Konsortium sowie an die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt für das Vertrauen und die Zusammenarbeit.